Samstag, 15. Oktober 2011

Es kommt immer anders als man denkt!

Marc, der Baumeister ist für eine Woche in England, aber wir besprechen am Dienstag, vor seiner Abreise noch die nächsten Bauschritte. Auf der einen Haushälfte soll das Dach fertig verschallt werden, anschließend Isolierung und Dachhaut aufgebracht werden, dann ist alles Regenfest. Am Wochenende kann ich dann in mein neues Zimmer übersiedeln, das Fenster soll am Freitag kommen, ebenso die Türe.
Ich freue mich schon wahnsinnig auf ein sauberes Zimmer, mit Fliegengitter und einer Türe die nicht klemmt und die man einfach öffnen kann ohne das ein Haufen Schutt auf meinen Kopf fällt!
Mittwoch früh, warte ich auf die Holzlieferung, Latten und Isolierung. Die Arbeiter fangen seelenruhig an, die zweite Haushälfte abzudecken! Hey, was macht ihr da, zuerst wird die Decke über dem Wohnzimmer fertig gemacht, die Isolierung kommt auch heute noch. Uns fehlen Latten, wir können an der Decke nicht weiterarbeiten. Gut, dann fahre ich schon mal bei Guido vorbei und hole die Latten, wer weiß wann die Lieferung kommt. Da ich schon in Sao Bras bin, will ich mir gleich noch die Bankauszüge holen, - doch das dauert wie üblich ewig. Es ist meistens nur eine Angestellte in der Bank, die sitzt fast immer mit Klienten im Büro um Kredite oder sonst was abzuschließen, lächelt mich an und sagt, just a second! Das kenne ich nun schon zur Genüge, ich stehe vorm Schalter mit dem Taferl momentan nicht besetzt, 3 Meter neben mir scherzt die Bankangestellte mit den Kindern der Kunden, der ganze Dorfklatsch wird ausgetauscht..... wenn ich schon eine halbe Stunde von einem Bein auf das andere steige, auf und ab laufe, mich räuspere, stört das die Idylle keineswegs! Sie, ich habe jetzt keine Zeit mehr, ich komme ein anderes mal wieder. Freundliches Lächeln, ok, bis zum nächsten mal!
Also schnell zum Holzhändler die Latten und eine weitere Dose Holzlasur holen, beiläufig frage ich, wann den heute das Holz und die Isolierung geliefert wird. Stirnrunzeln, - Lieferung, - mir ist nichts bekannt! Ja aber Marc war doch gestern noch hier und hat alles bestellt, - nochmals überall nachfragen, - nein tut uns leid, - Marc war hier und hat ein Muster mitgenommen, aber bestellt hat er nichts!
Also das ist doch, - ich springe ins Auto, rase zurück,-Schreck, - das Dach ist weg,! - mein Baumeister in England,- Rosario, der Polier nicht erreichbar,- whaaa, jetzt zucke ich gleich aus!
Über meinem Zimmer haben sie mir noch einige Sperrholz Platten gelassen, damit ich des Nächtens nicht vom Sternenschein belästigt werde, - doch dazwischen ist der ganze Schutt und Mist vom alten Dach heruntergefallen, meine Bettdecke mit Mauerwerk bestückt, es sieht fürchterlich aus.
 Paulo der Maurer sagt tröstlich, wir geben über Nacht Plastik drauf, - das kannst du dir nun auch sparen, fauche ich ihn an, davon geht der Dreck auch nicht weg!
Die haben alle ein Komplott gegen mich geschmiedet, negieren meine Anweisungen vollkommen, - arbeiten wie wild um die Betonschallung aufzubauen, mein Kühlschrank ist zugebaut, meine Freiluftküche voller Zement, - was ist mit meinem Zimmer, wo bleibt die Türe, was ist mit dem Fenster, das Gesimse ist noch nicht repariert, die Firma kann das Fenster nicht einbauen! Schulter zucken, verlegenes Lächeln,, - die Senhora wird sehen, geht alles ganz schnell, wenn erst mal die letzten Balken oben sind, können wir alles in einem decken!
Das haben sie sich schön ausgedacht, Marc in England, - was soll ich tun, - ihm wütende SMS schreiben, - hier herum schreien, - sagen hallo, ich bin die, die bezahlt, -bringt eigentlich alles nichts!
Ich streiche, putze und schrubbe wie wild, um mein Zimmerchen trotzdem bis Samstag bezugsbereit zu haben.
Alles sieht gut aus, am Samstag brauche ich nur noch die Arbeiter, um meine schweren Sachen herunter zu heben und den Kasten, der in den Pferdeboxen lagert ins Haus zu tragen. Doch am Samstag wird immer noch fleißig an den Resten gemauert, als Angelo zu allem Überdruss noch beginnt den alten Putz vor meinem frisch geputzten Zimmer von den Wänden zu schlagen, reicht es endgültig! Jetzt schau mal her, alles war sauber, jetzt ist alles wieder eingestaubt, bevor hier keine Türe montiert ist, wird kein Staub mehr gemacht, - si Senhora!
Ich gehe schnell zurück zum Stall um die Pferde von der Koppel zurück zu holen, - als ich zurück komme ist es totenstill, - alle sind weg!
Schitt, alle meine Träume vom Wochenende im neuen Zimmer zu genießen, sind geplatzt, - ich setzt mich erst mal auf einen Stein,- Sessel gibt es schon lange keinen mehr, - und rauche eine Zigarette.
Ja, aber ich wäre nicht ich, wenn ich einmal gefasste Pläne nicht umsetzen würde.
 Ha, - Energie wallt auf, Stück für Stück, ziehe ich alles vom Lager auf der Zwischendecke über die Leiter herunter, Dreck abstauben, waschen, Holz einölen, schlepp, schuft. Ah super, da gibt es noch eine Schachtel mit Fliegennetzen, zwei Latten absägen, in die Fensteröffnung klemmen, Netz darüber spannen, fertig!
Ah, da ist die Schachtel mit der Stereo Anlage,- der Radio ließ sich eigentlich nie einschalten,- bekam keinen Sender., egal vielleicht finde ich noch die Cds, - schließe mal alles zusammen.
 Hey, der Radio geht, nach drei Jahren zum ersten mal, super Sender, super Musik, ich drehe volle Lautstärke auf und rappe mit meinem Putzfetzen in der Hand über Schutt und Bretter. Cid der Hund schaut fassungslos zu, - ja Cidi, das treibt schlechte Energie aus, komm spring mit! Wir haben einen sehr fröhlichen Nachmittag, streiten um Microfaser Tücher und Besen und bis zum Abend ist alles fertig
Jetzt fehlt nur mehr eine Türe, zumindest ein Fliegen und Staubschutz. Komm Cid, hopp ins Auto, die Chinesen haben noch offen, vielleicht finden wir etwas brauchbares.
In diesen Geschäften wird man immer fündig, ein steiler Polyester Vorhang für ganze 2 Euro dreißig, ist schon gekauft.
So, jetzt noch die Pferde auf die Koppel, es wird langsam kühl, Boxen misten, einfüttern, hallo Burschen, wollt ihr euch nicht etwas bewegen. Ja, sie wollten, besonders Unico. Wir spielten eine halbe Stunde Stierkampf, - Unico präsentierte sich wie nie zuvor. Stolz, strahlend, aber auch etwas herablassend blickte er zu Cirio, - ja Kleiner, da schaust du, - du kannst zwar hinten auskeilern, aber das was ich drauf hab, da hast du noch viel zu lernen! Es war einfach prächtig!
Ich ließ die Pferde noch draußen um sie in Ruhe abkühlen zu lassen, und machte mich auf die Suche nach einer Vorhangstange. Ah, hier liegt ein alter Schilfzweig, genau so etwas habe ich gesucht. Mit der Taschenlampe suche ich noch beim Baumaterial nach Nägeln. Gefunden,- Leiter anlehnen,- hämmer, hämmer, - voila, Luxus Eingang ist fertig. Cid ist auch anständig, reißt das Ding nicht herunter, sondern schlüpft ein und aus, als sei es das Selbstverständlichste der Welt.
Ich bringe die Pferde noch in den Stall, nehme eine heiße Dusche, setzte mich auf einen richtigen Sessel zum Computer, warmes Kerzenlicht erhellt den Raum, Räucherstäbchen duften, schöne Musik im Hintergrund, - jetzt kann ich gemütlich meinen Blog schreiben......
Morgen könnte ich eigentlich wieder einmal an den Strand fahren, das Meer hat immer noch 23 Grad, aber ich glaube, ich mache mir einen schönen Tag mit den Tieren und lege mich in die Hängematte zum Lesen und Träumen.
Auf die Erklärungen von Marc, nächste Woche, bin ich echt schon gespannt, .....die Situation bedarf einiger Rechtfertigungen und ich hoffe für ihn, er hat gute Argumente!!!!


 Fortsetzung folgt.....

Kommentare:

  1. Helga -
    DU bist nicht kleinzukriegen!!!!!!!!!!!
    Ich ziehe den Hut vor Dir. Wahnsinn. Ich in Deiner Situation hätte schon resigniert und wäre reif für die Nervenanstalt. Aber ich denke das ist auch der Grund warum ich noch in meiner kleinen schnuckligen Wohnung sitze und am Computer Deine Abenteuer verfolge.

    Freue mich auf ein Treffen.

    Christine

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  2. P.S.
    Das Engelchen überm Fenster ist ein Wahnsinn!!!!! WUNDERBAR solch super Energie.

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