Dienstag, 19. Juli 2011

Wo werde ich wohl landen?

Eines stand für mich jedenfalls fest, der Atlantik sollte in erreichbarer Nähe sein, Haus und Grund nicht zu groß, doch genügend Platz für Freunde und Pferde, das sollte hier in Portugal doch nicht schwer zu finden sein. Es gibt Unmengen unbewohnter Häuser, und jede Menge unbewirtschaftetes Land! Doch denkste, so einfach ist das hier nicht! Bis ein Portugiese sein Land verkauft, muss ihm das Wasser schon bis zum Hals stehen. Einmal erworbene oder geerbte Grundstücke sollen wenn möglich an Enkel und Urenkel vererbt werden, verkauft wird nichts. So haben die meisten Liegenschaften mehrere, wenn nicht sogar 30 oder 40 Besitzer. Sollte einer, oder auch einige, bereit sein endlich zu verkaufen, gibt es sicher im Hintergrund eine Peppi Tant, die partout nicht verkaufen will. Sollte der Ungewöhnliche Fall eintreten, dass sich alle Familienmitglieder einig sind, so sind sie sich auch einig, dass ihre Gstetten mindestens den Wert einer Goldmiene hat!
Die Makler hierzulande sind zwar sehr bemüht, doch auch wenn man genau definiert was man sucht, wird einem alles vorgeführt, solange nur ein Punkt des Anwesens deinen Anforderungen entspricht.
Ja, alles wunderschön, aber ich habe leider keine 2 Millionen Euro um das zu kaufen, ja super, aber der Grund ist so steil, dass nur eine Ziege hier gehen kann ohne sich das Genick zu brechen, entzückendes Haus, doch die Anfahrt auf 12km Schotterstraße ist wirklich zu weit, wunderbares Land für Pferde, doch zum wohnen gibt es nur eine 40m2 Ruine! Die Liste lässt sich endlos fortsetzen und sollte man einmal glauben, das ist es jetzt, dann dauert es nicht lange und der nächste Haken taucht auf!
So geschehen vor 3 Monaten, als sich meine verzweifelte Suche nun schon bis an die Algarve ausdehnte!
Kleines Haus in der nähe von Lagos, neue Küche, Telefon, Internet, Kabel TV, Heizung, Isolierfenster, Obstgarten, kleiner Pool mit Wasserfall, 4 Pferdeboxen, Reitplatz....Herz was willst du mehr! Ich rief sofort die Verkäuferin an, sie beschrieb mir die Lage der Liegenschaft und ich Begann erst einmal mit der Suche auf Google Earth! Ah ja, hier muss es sein, - ohje, da ist ja gleich eine Autobahn in der Nähe! Also nochmals anrufen, - nein, die Autobahn hört und sieht man nicht auf unserem Grundstück, man lebt doch nicht am Land, wenn man die Autobahn vor der Nase hat! Ich war beruhigt, packte hoffnungsfroh Schlafsack und Badesachen in meinen Pajero und los ging es, 350km Richtung Süden.
Es war der Flop schlechthin, ein äußerst unangenehmes Surren und Sausen lag über dem Grundstück, die Autobahn machte sich lautstark bemerkbar. Ja, das ist aber nur heute so, weil ein spezieller Wind geht, meinte die Besitzerin, gestern konnte man nur die Vögel hören. Die Pferdeboxen, -sollte ich nun lachen oder weinen, - kleine Kistchen gerade mal 2x1 Meter groß, das soll ja wohl ein Witz sein, - der Reitplatz, ein schiefes eingezäuntes Fleckchen, gerade mal 10x10 Meter, der Obstgarten, frisch bepflanzt mit kleinen Bäumchen, wird wohl 10 Jahre dauer, bis man hier etwas ernten kann, das Haus, eigentlich nur ein größerer Raum, das Bad halbfertig! Doch der Hammer kam, als ich Einsicht in die Papiere nahm, das Haus war ohne Genehmigung gebaut, der Grund nur landwirtschaftlich, also einen Pfifferling wert!
Herb enttäuscht trat ich den Rückweg an, fuhr die halbe Strecke zurück um in Grandola auf meinem Lieblings Grundstück, das leider unerschwinglich war, den Pajero für die Nacht zu parken. Ich suchte mir ein lauschiges Plätzchen in dem wunderschönen Korkeichenwald um hier einmal Probe zu schlafen. Ruhe, Stille, nur das säuseln des Windes in den Bäumen ist zu hören, es duftet herrlich würzig, ich atme tief ein, kuschle mich in den Schlafsack und schließe die Augen. Doch keine Minute später sssrrrrr Mückenalarm! Das kann doch nicht sein, ich befinde mich auf 600m Seehöhe, da gibt es doch angeblich keine Mücken! Oh ja, und ob es die hier gibt, klinzeklein in tausendfacher Ausfertigung fallen sie über dich her, die Stiche brennen und jucken mehr als jeder normale Stich einer fetten Flussmücke.
So hat sich der Traum von meinem Traum Grundstück, das ich mir Gott sei Dank nicht leisten konnte, ruck zuck ausgeträumt! Hier kann man ja nur mit einem Raumanzug die Nächte heil überstehen!
In der früh wollte ich meine hunderttausend Stiche im Meer kühlen, der Tag war herrlich, strahlend blau und warm, also fahre ich schnell die 12km zu meinem Lieblings Strand der Aberta Nova hinunter! Unterwegs noch einen Espresso und ein frisches Croisant, ach wie ist das Leben schön!
Der Strand, es ist nicht zu glauben, ist menschenleer, ich bin der einzige Gast, nur ich und der Atlantik, - einfach herrlich, - oder doch nicht? Das Wasser ist nicht zu kalt, doch die Wellen sind an die 2 Meter hoch. Eigentlich kein Problem, man muss nur durch die erste durch, dann kann man wunderbar schwimmen!
Doch da meldet sich ein Stimmchen in meinem Kopf, - und was ist wenn du durch die Brandung nicht mehr heraus kommst? Abgehen wirst du hier in Portugal niemandem, bis die in Österreich vielleicht einmal registrieren, das du dich nicht mehr meldest haben dich schon längst die Fische angeknabbert! Also nichts mit schwimmen, Mückenstiche nur im Schaum der Brandung kühlen, bey, bey mein Traumstrand, du bist nur schön zum ansehen, aber nicht zu benützen.
Tschüss, mein wunderschönes Grandola, mit deinen herrlichen Pinien und Eichenwäldern, ich werde dich gelegentlich besuchen, aber nur bei Tag!
Soll ich vielleicht doch noch darüber nachdenken, das illegal errichtete Haus bei Lagos zu kaufen???
Fortsetzung folgt.....

Kommentare:

  1. Ja, ja liebe Helga, nicht umsonst heißt es so schön: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Bei Deinem Daueraufenthalt wird es wohl schon ein ganzes Buch sein. LG Christine

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